KEK-Abschlussveranstaltung „Gemeinwohl und Klimaschutz“

Von Stromrebellen, Mutmachern und einem guten Leben – KEK-Abschlussveranstaltung zum Thema „Gemeinwohl und Klimaschutz“

Vor zweieinhalb Jahren starteten das Klimabündnis Oberösterreich und die drei Landkreise Passau, Deggendorf und Rottal-Inn das Interreg-Projekt „Klimaschutz und Energiewende in Kommunen in Schärding. Am 20. März 2015 schloss sich der Kreis und Schärding wurde im Rahmen der Projekt-Abschlussveranstaltung zum Zentrum für gelebten Mut. Christian Felber, Johannes Gutmann, Begründer der Waldviertler Firma Sonnentor und die engagierten Initiatoren von regionalen Energieversorgern waren der prominente Rahmen für die Abschlussveranstaltung des Klimabündnisprojekts „Klimaschutz und Energiewende in Kommunen. Die Tatsache, dass der Klimawandel und seine Auswirkungen nicht vor Landesgrenzen halt machen, hat das Klimabündnis OÖ mit seinen bayerischen Partnern vor drei Jahren dazu bewogen, dort anzusetzen, wo klimafreundliches Leben am besten umgesetzt werden kann, nämlich in den Gemeinden.

Dass das Interesse an Themen wie diesen groß ist, zeigten die über 100 Interessierten, die dabei waren und bis zum Schluss aufmerksam zuhörten und mitredeten.

 

Gemeinwohl für Alle

Ein gutes Klima, das achtsame Verwenden der vorhandenen Ressourcen und ein wertschätzender Umgang mit unseren Mitmenschen, das sollte eigentlich im Interesse aller sein. Und das ist es auch, wenn man sich ehrlich fragt, was einem wichtig ist. Christian Felber stellte dem Publikum im vollbesetzten Saal die Frage nach dem schönsten Moment im Leben. Das Resultat war eindeutig: Alle zutiefst persönlichen Erlebnisse hatten mit anderen Menschen zu tun, mit der Natur und keines mit einem Konsumerlebnis. Wirtschaft könnte genauso gelingen. „Die Gemeinwohl-Ökonomie, baut auf denselben Werten auf, die unsere zwischenmenschlichen Beziehungen gelingen lassen: Vertrauensbildung, Kooperation, Verantwortungsübernahme, Solidarität und Teilen. Sie ist eine konkrete Systemalternative zu Kapitalismus und Kommunismus“, bekräftigte Christian Felber.

 

Vom Konzept zur erfolgreich gelebten Realität

Werte wie diese zur Basis für seinen Betrieb zu machen und Menschen als Ganzes zu sehen, das setzt Johannes Gutmann von der Waldviertler Firma Sonnentor seit vielen Jahren erfolgreich um. Der Unternehmer, der 1988 begann, Kräutertees zu verkaufen, wurde oft belächelt. Heute beschäftigt er 250 Personen und 150 Bauern aus der Umgebung beliefern ihn mit Kräutern. Sonnentor ist zum Wirtschaftsmotor im Waldviertel geworden. Zudem beschäftigt Gutmann besonders jene Menschen, die aus der klassischen Arbeitswelt herausgefallen sind. Ältere und im klassischen Sinn erwerbsunfähige Menschen. Die 80jährige Mutter von Johannes Gutmann arbeitet ebenfalls noch im Betrieb mit und betont:„ Wenn i des (die Arbeit, die Zimtstangen einzufüllen) ned hätt, daun wär i schon laung g´storben!“

 

Mut haben und selbst aktiv werden

Wo nehmen Erfolgsgeschichten wie diese ihren Anfang? Bei Christina Krämer vom deutschen Verein Regional Versorgt eG hat die Atomkatastrophe in Fukushima „das Fass zum Überlaufen gebracht“ und sie gründete mit anderen Engagierten eine Genossenschaft, die sich die Energie- und Nahversorgung der BürgerInnen abseits von zentraler Versorgung zum Ziel gesetzt hat. Ihr Bruder Stefan Sladek stellte die Elektrizitätswerke Schönau vor, die in Deutschland bundesweit rund 150 000 Privathaushalte, Gewerbebetriebe und Industrie-Unternehmen mit sauberem Strom versorgen. Begonnen hatte diese Geschichte schon mit den Eltern, die sich als „Stromrebellen“ in Deutschland einen großen Namen machten. Sladek selbst ist heute einer der Geschäftsführer.

 

Mut für einen neuen Weg

Den Mut zu fassen und ausgetretene Pfade zu verlassen, ist eine der wichtigsten Bedingungen für mehr Lebensqualität und Gemeinwohl für alle. Hier dürfe man sich nicht auf die Politik verlassen, sondern das, was einem wichtig ist, umsetzen, war der allgemeine Tenor des Abends.  „So kann man auch anderen Menschen Mut machen, ihnen einen neuen Weg zeigen. Zeigen, dass es möglich ist, erfolgreiche und gute Projekte auf die Beine zu stellen, die Gutes für das Klima, für das Miteinander und für eine demokratischere Welt bringen“,  resümiert die Organisatorin Renate Schernhorst vom Klimabündnis OÖ den gelungenen Abend.